Was verändert sich durch Achtsamkeit?

Dem Begriff der Achtsamkeit begegnet man seit einigen Jahren an vielen Orten. 
So könnte man den Eindruck bekommen, dass es sich bei der Achtsamkeit um eine Modeerscheinung der heutigen Zeit handelt. 
Doch tatsächlich ist die Praxis der Achtsamkeit tief verwurzelt in der buddhistischen Psychologie und hat bereits einen über zweitausendfünfhunderjährigen Weg hinter sich. Und das hat einen guten Grund! 

Unser Gehirn ist evolutionär darauf ausgelegt, uns vor Gefahren zu schützen, unsere Ernährung und Fortpflanzung zu sichern und uns in die soziale Gruppe zu integrieren. Deshalb ist unser Gehirn oft im sogenannten Alarm- oder Antriebsmodus aktiv und reagiert automatisch auf alle potentiell bedrohlichen Signale aus unserer Umwelt - auch wenn diese real gar keine Gefahr darstellen!
Darüber hinaus ist unser "neues Menschengehirn" wunderbar in der Lage dazu, sich über potentielle Gefahren in der Zukunft Sorgen zu machen und versucht aus vergangenen Schwierigkeiten zu lernen, in dem diese "nachgegrübelt" werden.

Daher fühlen wir uns oft innerlich gestresst, bedroht oder angetrieben - und der Körper und die Seele beginnen vielfältige Stresssignale zu senden. Wir leiden dann beispielsweise unter Schlafstörungen, Gereiztheit, Antriebslosigkeit, diversen Schmerzen oder Verdauungsstörungen.

Mithilfe der Achtsamkeitspraxis trainieren wir unser Gehirn, nicht mehr nur automatisch auf alle Impulse aus unserem Umfeld zu reagieren und aus Gedankenketten auszusteigen. Wir lernen, innezuhalten und zunächst einmal wahrzunehmen: Welche Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse und Impulse sind JETZT gerade aktiv?  Um danach bewusst zu entscheiden: Wie möchte ich auf diese herausfordernde Situation oder meine innere Belastung bewusst antworten, sodass ich meinen inneren Stress eher senke, statt ihn noch mehr zu verstärken?

Die inneren Haltungen der Achtsamkeit

Der Nährboden von einem achtsamen Leben sind die sogenannten "inneren Haltungen" der Achtsamkeit. Im Folgenden beschreibe ich, welche Haltungen mir geholfen haben, innere Ruhe und Gelassenheit zu finden:

"Bei der Meditation geht es nicht um den Versuch, irgendwo hinzugelangen. Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind, und ebenso der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist …
Es ist sicherlich zutreffender, sich Meditation als einen ‚Weg‘ vorzustellen statt als Technik oder Methode. Meditation ist eine Art zu sein, eine Art zu leben, eine Art durch das Leben zu gehen, im Einklang mit den Dingen, so wie sie sind.“
Jon Kabat-Zinn

Geduld 

Die Ungeduld ist seit meiner Kindheit mein beständiger Begleiter gewesen. Im Laufe der Jahre durfte ich lernen, dass jedes Ding seine eigene Zeit hat, um sich und seine Wirkung zu entfalten – wenn der richtige Moment dafür gekommen ist. Denn auch das Gras wächst nicht schneller, wenn wir daran zupfen.

Frei sein von Urteilen

Wir alle sehen die Welt durch eine Brille, die getönt ist von unseren bisherigen Lebenserfahrungen. Auf diese Weise bewerten wir Menschen und Geschehnisse selten frei von eigenen Interpretationen, Ängsten und vorgefassten Meinungen. Die Praxis der Achtsamkeit hat mich gelehrt, öfter in die Rolle eines neutralen Beobachters zu schlüpfen. So kann ich meine Gefühle und Gedanken klarer wahrnehmen und bewusster entscheiden: Welche Reaktion auf dieses Ereignis oder diesen Menschen tut mir selbst wirklich gut? 

Annehmen & Loslassen

Unser Gehirn ist ein Meister darin, nach Vergnügen zu streben und vor Schmerz zu fliehen. Doch je mehr ich gegen das ankämpfe, was ich nicht haben will, desto mehr erlebe ich schwierige Gefühle wie Ärger, Widerstand und Hilflosigkeit. Durch den achtsamen Blick auf meine innere Zündschnur, lernte ich zu unterscheiden: „Ich ändere, was ich ändern kann und den Rest nehm‘ ich gelassen an.“

Vertrauen

 Wir alle tragen ein tiefes Wissen darüber in uns, was unserem Körper guttut und was unsere Seele braucht, um ihre Bestimmung zu leben. Durch die Achtsamkeitspraxis lernte ich meiner inneren Stimme zu vertrauen - auf die feinen Signale aus Körper & Herz zu hören und danach zu handeln. Das Ergebnis? Mein Körper ist deutlich seltener krank oder erschöpft als früher. 

Mitgefühl

Oft laufen die Dinge nicht so, wie wir es gerne haben wollen – dann erwacht unser innerer Kritiker und Antreiber gerne zum Leben und macht uns so richtig Stress. Auch ich kenne diese Stimmen sehr gut. Durch die Praxis von Mitgefühl habe ich erfahren, wieviel leichter sich das Leben anfühlen kann, wenn ich mir selbst und anderen mit Freundlichkeit und Wohlwollen begegne. 

Verbundenheit

Manchmal haben wir das Gefühl, der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der gerade so leidet und igeln uns ein in unserem Schmerz. Doch wie heilsam ist es, wenn wir unser Herz öffnen und mit Menschen in Verbindung treten, mit denen wir ähnliche Lebensthemen, Sorgen und Interessen teilen? Diese Erfahrung von Verbundenheit ist es, die mein Herz in einer Gruppe von Achtsamkeit praktizierenden Menschen immer wieder bewegt.  

Wege zur achtsamen Bewältigung von 
Stress und Depression

Sie sind neugierig geworden und möchten die "inneren Haltungen der Achtsamkeit" auch in ihr Leben holen? Dann lesen Sie weiter, welche Achtsamkeitsübungen Sie in einem Kurs kennenlernen werden.

Achtsamkeit im Alltag

Wer kennt das nicht? Im Alltag sind wir oft im Autopiloten unterwegs oder tief in Gedanken versunken. Dadurch nehmen wir oft gar nicht wahr, welche Vielfalt an bunten Sinneseindrücken uns tagtäglich umgibt - doch gerade diese Sinneswahrnehmungen sind eine große Quelle von Lebensfreude. 

Im Laufe eines Achtsamkeitskurses machen Sie sich auf den Weg, gewöhnliche Alltagsaktivitäten mit mehr Achtsamkeit wahrzunehmen:
Wie schmeckt mein Morgen-Müsli oder der Kaffee?
Wie fühlt sich Zähneputzen oder Duschen an?
Was sehe ich beim Gang zur Straßenbahn?
Was höre ich, wenn ich das Fenster öffne?
Welche Gerüche und Düfte begegnen mir am Tag?


Bewusste Körperwahrnehmung

Wenn Sie (wieder) eine Verbindung zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen aufbauen wollen, führt der Weg über die Körperwahrnehmung. Denn, das was ich spüre, ist immer im jetzt: der Geschmack der Orange vom Frühstück ist nur noch eine Erinnerung und wie sie beim nächsten Mal schmecken wird, eine Vorstellung. Einzig in diesem Moment kann ich den Geschmack wahrnehmen.

Am Beginn eines Achtsamkeitskurses steht die Praxis des Bodyscans - Sie üben, in alle Körperbereiche nacheinander hineinzuspüren und die Empfindungen im gegenwärtigen Moment wahrzunehmen. Auf diese Weise werden ihre Sinne mit der Zeit immer wacher und Sie finden einen leichteren Zugang zu der Frage: "Wie geht es mir und meinem Körper?"

Darüber hinaus praktizieren wir während der Kurszeit verschiedene "Mindful Moves". Der Fokus bei der Ausführung dieser achtsamen Bewegungen liegt ebenfalls auf der Wahrnehmung von Körperempfindungen. Darüber hinaus erforschen Sie die Frage: "Wie gehe ich mit meinen persönlichen Grenzen um? Neige ich dazu, mich zu über- oder zu unterfordern?" Dies gibt viel Aufschluss über ihre Reaktionsmuster im Alltag.

Sitzmeditation

Im Kurs erlernen wir Schritt für Schritt die Achtsamkeitsmeditation: Diese Form wird auch Einsichtsmeditation genannt, was bedeutet wach und offen für alles zu sein, was im gegenwärtigen Moment im Bewusstsein auftaucht. 

Zu Beginn fokussieren wir uns auf den Atem. Der Atem ist unser Anker, zu dem wir immer wieder zurückkehren können, sobald unser Geist auf Wanderschaft gegangen ist. Vom Atem ausgehend, erforschen Sie dann mit konzentrierter Aufmerksamkeit nach und nach ihre Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle im gegenwärtigen Moment. 

Auf diese Weise kommen Sie tiefer mit sich selbst und dem Leben in Kontakt - eine wesentliche Grundlage, um mit der Zeit das Gefühl von innerer Ruhe und Gelassenheit aufbauen zu können. 

Gehmeditation

Wer hätte das gedacht? Neben der Sitzmeditation ist auch das Gehen eine wunderbare Möglichkeit, im Alltag seinen unruhigen "Affengeist" einmal ganz auf die Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments zu konzentrieren. 

Statt bereits über die bevorstehende Arbeit nachzudenken, können Sie auf dem Weg zum Auto oder zur Straßenbahn ihr Tempo etwas verlangsamen - sich verbinden mit dem Rhythmus des Atems, in die Füße hineinspüren - und lächeln!
Aber auch schnelles bewusstes Gehen kann ihnen helfen innere Anspannungen loszulassen und im gegenwärtigen Moment anzukommen - um dann hinterher gelöster im Sitzen weiter zu meditieren. 

Auch hierbei warten vielfältige Möglichkeiten, um von ihnen erforscht zu werden!

Mitgefühl entwickeln

Doch diese ganzen Formen der Achtsamkeitspraxis helfen uns nicht, innere Ruhe und Stabilität zu finden, wenn wir uns dabei unbemerkt von unserem "inneren Quälgeist" oder "inneren Antreiber" sabotieren lassen. Diese beiden inneren Stimmen flüstern uns nur allzu gerne ein, was wir doch alles besser machen könnten und vergleichen uns auch gerne mit Anderen. Genau diese inneren Stimmen verstärken jedoch sehr oft unser Stressempfinden.

Daher lege ich im Kurs sehr viel Wert darauf, dass Sie von Anfang an lernen, freundlicher mit sich und ihren Schwierigkeiten bei der Übungspraxis umzugehen. 
Auf diese Weise fällt es ihnen im Laufe der Zeit leichter, auch bei Schwierigkeiten im Alltag mit mehr Mitgefühl sich selbst und anderen zu begegnen. 


 Sie haben Lust bekommen, diese Wege zur Achtsamkeit selbst zu erforschen?